Typ 97 mittlerer Panzer Chi-Ha:

kunana shiki chu sensha Chi-Ha

 

 

In den ersten Jahren der dreißiger Jahre entstanden weltweit verschiedene Modelle schneller kampfstarker Panzer, die den Typ 89 mittleren Panzern überlegen waren. Insbesondere die höhere Geschwindigkeit und der Fortschritt in der Panzerungstechnologie dieser neuen Modelle führten Anfang 1935 zu der Überlegung, einen ähnlichen Panzer mit modernem Laufwerk für hohe Geschwindigkeiten für den Einsatz in mechanisierten Brigaden zu schaffen. Da die Armee darüber hinaus die kalibermäßig schwache Bewaffnung des Typ 95 Ha-Go als Schwachpunkt sah, sollte das Fahrzeug darüber hinaus mit einer entsprechenden Bewaffnung versehen werden.

 

Mit der Entwicklung des Typ 94 tk und des Ha-Go hatte man Erfahrungen im Bau von Fahrzeugen mit hohen Geschwindigkeiten und guter Geländegängigkeit gesammelt. Zugleich hatte man aber auch die vorhandenen Finanzmittel durch die begonnene Serienfertigung der anderen Modelle nahezu aufgebraucht. Daher war man in einigen verantwortlichen Abteilungen der Armee nicht wirklich begeistert, ein weiteres Fahrzeug einzuführen. Dies wirkte sich im Rahmen der Spezifikationen für diesen Panzer in engen Begrenzungen bezüglich der Maße und des Gewichts  aus. Vorgesehen war ein Fahrzeug mit höchstens 15 t Gewicht, 57 mm Kanonenbewaffnung und 35 km/h Höchstgeschwindigkeit. Da man den führungsinternen Konflikt zwischen Generalsstab und technischer Abteilung nicht ausräumen konnte, entschied man sich, zwei unterschiedliche Ansätze zu verfolgen.

 

Mitsubishi erhielt den Auftrag, ein Fahrzeug mit 35 km/h Geschwindigkeit, 2500 mm Grabenüberschreitfähigkeit, 25 mm maximaler Panzerstärke und 4 Mann Besatzung zu bauen. Ein Gewicht von 13,5 t sollte nicht überschritten werden.

 

Der zweite Auftrag ging an das Osaka Armeearsenal, das ein Fahrzeug mit 27 km/h Geschwindigkeit, 2400 mm Grabenüberschreitfähigkeit mit Hecksporn, 20 mm maximaler Panzerung und 3 Mann Besatzung zu bauen. Hier sollte das Gewicht nicht mehr als 10 t betragen. Durch die kleineren Ausmaße und das geringere Gewicht sollte der Panzer deutlich preisgünstiger sein, als das konkurrierende Modell.

 

Da das Fahrwerk des Typ 89 Panzers als zu schwer empfunden wurde, konzentrierten sich beide Konstruktionsteams mit einem neuen Konzept. Vorlage war in beiden Fällen das hervorragende Laufwerk des Typ 94  tk. Dieses vereinigte höchste Geländegängigkeit und geringes Gewicht.

 

 

Bei der Panzerung sollte weitestgehend Schweißtechnik verwendet werden. Die Panzerung sollte selbsttragend sein und in größerem Ausmaß schräg angeordnet sein.

 

Beide Konstruktionsteams begannen ihre Arbeit Anfang 1936 und konnten im Juni 1937 je einen Prototypen zu Testzwecken abliefern. Nach intensiven Test wurden beide Fahrzeuge bezüglich der Fahrleistungen als gleichwertig eingestuft. Wegen der angespannten Finanzlage tendierte die Armeeleitung für das kleinere, leichtere Fahrzeug des Osaka Arsenals, dass den Namen Typ 97 mittlerer Panzer Chi-Ni erhalten hatte, da es deutlich günstiger in der Anschaffung war. Man plante eine Einführung in größerem Umfang und mit einem günstigeren Fahrzeug konnten schneller mehr Einheiten ausgestattet werden. Natürlich sah man den geringeren Platz durch die kleineren Ausmaße und die geringere Panzerstärke als Nachteil an, das Finanzproblem wog jedoch schwerer.

 

 

Noch vor der abschließenden Entscheidung begann im Juli 1937 der 2. Chinesisch-japanische Krieg und die Finanzprobleme der Armee waren vorbei. Umgehend entschloss man sich, das Mitsubishi-Modell, das die Bezeichnung Typ 97 mittlerer Panzer Chi-Ha erhalten hatte, als neuen mittleren Panzer einzuführen. Das Konkurrenzmodell wurde verschrottet.

 

 

Im Laufe der zweiten Jahreshälfte 1937 wurde der Chi-Ha intensiven Tests unterzogen. Der Prototyp hatte ein Laufwerk, das mit je sechs paarweise angeordneten Laufrädern angeordnet waren. Die Laufräder bestanden jeweils über zwei hintereinander angeordneten Scheiben. So wurde die Kette mit ihren Mittelzähnen optimal geführt.  Die beiden hinteren Laufradpaare waren mit Horizontalfedern miteinander verbunden. Das vordere Paar war über eine weitere Horizontalfeder an Panzergehäuse angenietet. Der Antrieb erfolgte über das Treibrad vorn. Das zum Spannen der Kette  horizontal bewegliche Leitrad hinten und drei Stützräder vervollständigten das Laufwerk. Dabei bestand jeweils das vordere und das hintere Stützrad ebenfalls aus zwei hintereinander angeordneten Scheiben.

 

 

Die Panzerung bestand aus oberflächengehärtetem Walzstahl und war an Stellen, die besonderen Belastungen ausgesetzt sein konnten, zusätzlich zum Schweißen genietet. Der Fahrer besaß eine Sehklappe auf der oberen Bugpanzerung und das Bug-MG war in einem eckigen Erker untergebracht. Der auf die rechte Kampfraumseite verschoben eingebaute Turm war konisch mit einer Ausbuchtung im Turmheck in 5-Uhr-Richtung. Er bestand aus mehreren geschweißten und genieteten Panzerplatten. Rechts versetzt auf den Turm war eine zylindrische Kommandantenkuppel angebracht, die eine zweiteilige Klappe hatte, deren Rahmen über den Zylinder hinausragte. Da man für das Fahrzeug eine längere Einsatzzeit vorsah, wurde der Turmringdurchmesser größer gewählt, als es für den eingesetzten Turm wirklich nötig gewesen wäre. Man sah dies als nötig an, um später größere Türme mit stärkeren Bewaffnungen verwenden zu können.

 

 

Der 170 PS Motor war in Längsrichtung hinter dem Kampfraum eingebaut und von innen teilweise zugänglich. Über zwei Klappen auf der seitlichen Motorraumabdeckung konnte er gewartet werden. Bei Bedarf wurde er über eine große Gitterklappe auf dem Heck ausgebaut. Die Abgase wurden nach rechts und links über die hinten außen liegenden Schalldämpfer aus dem Fahrzeug geleitet. Direkt hinter dem Motor war der Luftfilter eingebaut, der ebenfalls über eine Klappe in der oberen Heckpanzerung zugänglich war. Hinter dem Motor lag unten der Treibstofftank, darüber die Batterien. Die Welle verlief nach vorn schräg abfallend mittig unter dem Kampfraum zum Getriebe.

 

 

Die Lenkung erfolgte über Lenkgetriebe, die  durch Klappen auf der Bugpanzerung zugänglich waren. Zum Lenken besaß der vorn rechts sitzende Fahrer zwei Paar Hebel je Richtung, mit der er die Ketten bremsen konnte. Dabei war ein Paar Hebel für Drehung auf der Stelle gedacht, das andere für Kurvenfahrt mit Radius.

 

 

 

Links vorn saß der Bugschütze, der auch als Bordmechaniker diente. Ihm stand ein Typ 97 7,7 mm MG in der Standard-Kugelblende zur Verfügung. Als Notausstieg stand ihm eine Klappe vorn auf dem Kampfraum zur Verfügung. Rechts hinter ihm stand der Richtschütze, der die Typ 97 57 mm Panzerkanone mittels Zielfernrohr ausrichtete. Dabei nahm er die grobe Seitenrichtung durch Turmdrehung mittels Handrad. Die Feinrichtung erfolgte durch die Schulterstütze an der Kanone. Abgezogen wurde mit Pistolenabzug. Bei Bedarf drehte sich der Richtschütze um und bediente das in der Ausbuchtung im Turmheck in der Standard-Kugelblende eingebaute zweite Typ 97 7,7 mm MG. Rechts im Turm stand der Kommandant, der das Gefechtfeld über ein Periskop in der Kommandantenkuppel beobachten konnte. Nebenher diente er auch als Ladeschütze für die Kanone.

 

 

Während der Tests Ende 1937 wurden etliche Verbesserungen vorgeschlagen, die Anfang 1938 in einem zweiten Prototypen umgesetzt wurden. So wurde die Anordnung der Leiträder des Fahrwerks verändert. So wurde das vordere Laufradpaar geteilt und je ein Laufrad vor und hinter den nun mittig liegenden beiden Laufradpaaren angeordnet. Die Federung der Einzelräder erfolgte über Horizontalfedern, die nun außen an den Schwungarmen der Laufradpaare angenietet waren. Lauf- und Stützräder erhielten einen Gummireifen, um die Fahrgeräusche zu verringern. Die Änderungen erhöhten die Geländegängigkeit weiter, verkomplizierten das Laufwerk aber auch. Die Panzerung wurde nur im oberen Bugbereich geändert. So erhielt der Fahrer einen runden Erker, in den neben der nach vorn oben aufklappbaren Sehklappe weitere Sehschlitze eingebaut wurden, um die Sicht zu verbessern. Der Bug-MG-Erker fiel weg, die Kugelblende wurde direkt in der schrägen Bugpanzerung eingesetzt. Die Schalldämpfer der Auspuffanlage wurden durch gebogene Panzerbleche gegen Beschuss von vorn und schräg vorn geschützt. Die Kommandantenkuppel wurde mit einem Panoramasichtgerät aufgerüstet. Außerdem bestand die Klappe nun aus einem Krabbenscherenförmigen Teil und einem fingerförmigen Teil. Wichtigste Änderung war der Einbau des Typ 94 Funkgeräts und einer Bordsprechanlage. Die Antenne wurde halbkreisförmig vorn auf dem Turmdach angeordnet. Die Bedienung des Funkgeräts erfolgte durch den Bugschützen, vor dessen Sitz das Gerät und die nötigen Batterien eingebaut wurden. Das Gesamtgewicht stieg dadurch über 15 t, was akzeptiert wurde.

 

 

In dieser Form wurde Ende 1938 bei Mitsubishi die Serienproduktion begonnen. Es wurden folgende Stückzahlen gebaut:

 

Jahr: 1938 1939 1940 1941 1942 1943 1944
Anzahl: 25 202 507 315 zusammen 400

Zusammen: 1451

 

Nach der Einführung des neuen Turms mit der 47 mm Kanone sollte die Produktion eigentlich eingestellt werden, jedoch führten Produktionsengpässe bei der neuen Kanone zur Weiterproduktion. Später führte dann der Widerstand einiger Kreise in der Armeeführung, die den bewährten Chi-Ha auch weiterhin in ihren Reihen haben wollten, zu einer Verlängerung der Produktion. Im Produktionsverlauf wurde die Antenne auf dem Turm durch eine Stabantenne rechts hinter dem Turm ersetzt. Außerdem wurde links hinten auf dem Turmdach eine Halterung für ein Typ 97 7,7 mm MG zum Einsatz gegen Luftziele montiert. Die Gitterklappen zur Wartung auf der Seitlichen Heckpanzerung erwiesen sich als ein Schwachpunkt und wurden mit zusätzlichen aufklappbaren Panzerblechen abgedeckt.

 

 

Die ersten Typ 97 Chi-Ha wurden Anfang 1939 den Panzerverbänden als Ersatz für die Typ 89 Panzer zugeteilt. Der erste Kampfeinsatz erfolgte im Sommer 1939 beim Nomonhan-Konflikt, bei dem den dem 3. Panzerregiment je zwei Typ 97 als Kommandeurspanzer für die beiden Panzerbattalione zugeteilt waren. Eines dieser Fahrzeuge ging dabei verloren.

Bei Ausbruch des Pazifikkrieges nahmen 83 Typ 97 Chi-Ha an der Malaya-Kampagne teil, wo sie wertvolle Dienste in der Infanterieunterstützung leisteten. Dabei wurden 13 Fahrzeuge durch Pak und Artillerie zerstört, 11 weitere Fahrzeuge mussten in die Instandsetzung.

 

 

Weitere Einsätze erfolgten in Niederländisch-Ostindien und auf Guadalcanal. Auch dort erwiesen sie sich als wertvoll, insbesondere wegen des hervorragenden Laufwerks, das trotz der Komplexizität sehr wartungsarm war. Es zeigte sich aber auch die Unterlegenheit selbst gegenüber leichten Feindpanzern, insbesondere den amerikanischen M2 und M3. Im Verlauf des Krieges wurden Typ 97 Chi-Ha auf allen Kriegsschauplätzen eingesetzt. Im Kampf gegen Feindpanzer waren sie überall chancenlos, konnten aber auch weiterhin gegen weiche Ziele Erfolge erzielen.

 

 

Aufgrund der hervorragenden Eigenschaften des Fahrwerks wurde der Typ 97 Chi-Ha als Grundlage für eine sehr große Anzahl von Gefechts-, Sonder- und Spezialfahrzeugen verwendet.

 

 

Daten:

 

Hersteller:

Mitsubishi

Hitachi

.....

gebaute Fahrzeuge:

1451

Kampfgewicht: 

15t

Bodendruck:

0,66 kg/cm2

Besatzung:

4 Mann

maximale Panzerstärke:

8 mm - 25 mm

Länge:

5520 mm

Breite:

2330 mm

Höhe: 

2230 mm

Kettenauflage:

3708 mm

Kettenbreite:   

305 mm

Bodenfreiheit:

400 mm

watfähig bis:

1000 mm

überschreitet:

2500 mm

klettert: 

900 mm

maximale Steigung:

34°

Motor:

Mitsubishi 12-Zylinder Dieselmotor

Leistung:

170 PS bei 2000 U/min

Straßengeschwindigkeit:

38 km/h

Geländegeschwindigkeit:

n.b.

Reichweite:

210 km

Tankkapazität:

235 L

Getriebe:

4 Vorwärts-, 1 Rückwärtsgang

Leistungsgewicht:

11 PS/t

Bewaffnung Turm:

1 X Typ 97 57 mm Kanone

1 X 7,7 mm MG Typ 97 im Turmheck

Bewaffnung Bug:

1 X 7,7 mm MG Typ 97

Munitionsvorrat:

114 / 1500 Schuss

 

Panzerung

Turm

Aufbau

Fahrwerk

vorn

Seite

hinten

oben

vorn

Seite

hinten

oben

vorn

Seite

hinten

Stärke (mm)

25

25

25

10

25

25

20

10

25

25

20

Neigung(°)

80

75

78

0

78

55

25

0

42

90

65