Typ 94 Spezial-Zugfahrzeug:

(Typ 94 tk)

Kuyon shiki Tokusyu Keninsha

    

Nach den Tests mit den Carden-Loyd Tanketten begann die Armee über die Anschaffung derartige Fahrzeuge als gepanzerte Nachschubtransporter mit Raupenanhänger und Verbindungsfahrzeuge nachzudenken. Insbesondere der Nachschubtransport auf dem Gefechtsfeld schien solche Fahrzeuge zu erfordern. So begann man, Spezifikationen für ein kleines Zweimannfahrzeug mir Vollkettenantrieb, drehbarem Waffenturm mit MG-Bewaffnung und Panzerschutz auch gegen Hartkernmunition zu entwickeln. Das Fahrzeug sollte einen Anhänger mit Kettenlaufwerk und einer Ladekapazität von 750 kg ziehen können, der parallel zu entwickeln war.

 

Um Platz zu sparen und einen Laderaum im Heck zu haben, der von hinten zugänglich war, wurde der Motor vorn links neben dem Fahrer platziert. Um die Hitzeausstrahlung in den Kampfraum zu verringern, sollte der Motor durch asbesthaltige Gewebematten abgeschottet werden. Die genietete Panzerung sollte komplett aus oberflächengehärtetem Walzstahl bestehen und eine maximale Stärke von 12 mm haben. Trotz MG-Turm sollte die Höhe so gering wie möglich gehalten werden. Dazu sollte der Turm teilweise hinter dem Fahrererker angeordnet werden. Der Turm sollte durch den Schützen über die Schulterstütze des MGs drehbar sein. Der Zugang sollte über eine große Heckklappe erfolgen, durch die auch die Munitionsversorgung auf dem Gefechtsfeld erfolgen sollte. Der Fahrerplatz erhielt eine Notausstiegsluke. Die Federung der paarweise angeordneten Laufräder sollte durch je eine horizontal angeordnete Feder pro Seite erfolgen. Dadurch wurden die Laufrollen in unebenen Gelände durch das andere Paar fest gegen die Kette und den Boden gedrückt, was eine hervorragende Bodenhaftung und damit Geländegängigkeit ergab. Die Kette bestand aus Gusselementen mit hohem Mangan-Anteil, um hohe Stabilität bei geringem Gewicht zu erreichen. Als Motor kam zunächst ein deutscher Benzinmotor mit Luftkühlung zum Einsatz, der aber schnell durch ein japanisches Modell ersetzt wurde. Das Getriebe ragte vorn links aus der abgeschrägten Bugpanzerung heraus und wurde durch einen Panzerstahlaufsatz geschützt.

 

Anfang 1932 wurde Tokyo Gasu Denki K.K. mit Konstruktion und Bau je eines Prototyps für den Panzer und den Anhänger beauftragt. Beide Prototypen gingen Ende 1933 in die Tests. Der Anhänger wurde als Typ 94 3/4t Raupenanhänger Mitte 1934 offiziell eingeführt. 

 

Der Prototyp der Zugmaschine wurde 1934 intensiven Tests unterzogen, bei denen sich das Fahrzeug sehr gut bewährte. Besonders Geländegängigkeit und Mobilität wurde gelobt. Das Fahrzeug war derart gut ausbalanciert, dass es durch wenige Soldaten geschoben werden konnte. Problematisch war die Vibration beim Schießen, die die Trefferlage negativ beeinflusste. Dies war besonders heikel, da die Schützen darauf trainiert waren, Punktfeuer anstelle von Sperrfeuer zu schießen.

Der Prototyp hatte zunächst zwei paar kleinere Laufräder, die zu einem größeren Abstand zwischen dem vordersten Laufrad und dem Antriebsrad führten. Dies führte im Gelände zu Problemen mit der Aufhängung, so dass bereits in der Testphase größere Laufräder eingebaut wurden. Darüber hinaus wurden die Abgase vorn am Motor abgeführt, was einen langes verwundbares Abgasrohr außen am Fahrzeug zur Folge hatte. Auch der Drehturm erschien noch zu hoch. Bei den Serienfahrzeugen wurden daher die Abgase hinten am Motor abgeführt und der Turm um einige Zentimeter niedrigerer gebaut.

 

Die gesamte Auslegung des Fahrzeugs war sehr leicht. Dadurch gab es schnell Probleme mit Überladung, was im Einsatz als Panzer aber keine große Rolle spielte. Die geringe Größe war ein Problem, wenn es um Einsätze auf dem Gefechtsfeld ging, da die Grabenüberschreitfähigkeit gering war.

 

Im Sommer 1934 wurde der modifizierte Prototyp in die Mandschurei verschifft, wo insbesondere Klimatests erfolgten, die ebenfalls erfolgreich abgeschlossen werden konnten, so dass das Fahrzeug noch 1934 als Typ 94 Spezial-Zugmaschine eingeführt wurde. Die Serienproduktion startete 1935. Es wurden folgende Stückzahlen gebaut:

 

Jahr: 1935 1936 1937 1938 1939 1940
Anzahl: 300 246 200 zusammen 95 2

Gesamt: 843

 

Ab Frühjahr 1935 begann die Aufstellung von Verbänden mit den Typ 94 tk. So erhielten Panzerregimenter für ihre Aufklärungszüge je 7 Fahrzeuge. Hinzu kamen eigenständige Tanketten-Kompanien mit je 17 Fahrzeugen, die bei militärischen Operationen flexibel den Infanteriedivisionen zugeordnet wurden, und Aufklärungszüge zu 7 Fahrzeugen für die Aufklärungsregimenter der Infanteriedivisionen.

 

Zunächst wurden diese Fahrzeuge ausschließlich zu Transportzwecken verwendet. Dabei mussten oft vorgeschobene Posten versorgt werden, die immer wieder von gegnerischen Verbänden umgangen wurden, welche die Nachschubwege blockieren sollten. Dabei kam es zu Gefechten, in denen sich die Typ 94 tk hervorragend als leichte Kampfpanzer bewährten, vor allem auch weil die chinesischen Verbände keine panzerbrechenden Waffen besaßen. Diese Kampffähigkeiten führten dazu, dass die Fahrzeuge immer häufiger als gepanzerte Spitze der Infanteriedivisionen dienten, die ansonsten keinerlei Panzerunterstützung zur Verfügung hatten. 

 

Um diesem Wechsel des Verwendungszwecks entgegenzukommen, wurden Ende 1936 einige Verbesserungen eingeführt. So wurde das Leitrad vergrößert und nach hinten unten verlegt, wodurch sich die Kettenauflage um 78 cm verlängerte, was eine weitere Verbesserung der Geländegängigkeit durch Verringerung des Bodendrucks und eine Verringerung der Vibrationen beim Schuss bedeutete. Beides erhöhte die Gefechtstauglichkeit. Darüber hinaus wurde der Turm so modifiziert, dass das Turm-MG jederzeit schnell gegen eine Typ 94 37 mm Kanone und umgekehrt getauscht werden konnte. Bei allen diesen Veränderungen wurde besonderer Wert darauf gelegt, dass die Einsatzfahrzeuge problemlos von den Werkstattverbänden im Feld umgerüstet werden konnten.

 

Mit Beginn des chinesisch-japanischen Kriegs Mitte 1937 erlitten die Tanketten-Verbände unerwartet einige Verluste durch deutsche und russische Panzerabwehrkanonen, die an die chinesischen Truppen geliefert worden waren. Trotzdem konnten sich die Typ 94 tk erneut bewähren. Ab Ende 1937 wurden sie jedoch mehr und mehr wieder für ihre eigentliche Aufgabe als Transporter verwendet, da der Fronteinsatz zu verlustreich wurde. Nach und nach wurden sie bei den Aufklärungsverbänden durch das Nachfolgemodell ersetzt. Bei den Transporteinheiten blieben sie bis Kriegsende im Einsatz, wobei sie immer wieder auch als Kampffahrzeuge eingesetzt wurden.

  

Neben dem normalen Transporthänger wurden für die Verbände, die mit der chemischen Kriegsführung betraut waren, spezielle Anhänger für Gas und Dekontaminierungschemikalien geschaffen. Die Ausbringung der Stoffe erfolgte über Düsen am Heck des jeweiligen Anhängers.

 

Auf Grundlage des Typ 94 tk Fahrwerks wurden einige Sonderfahrzeuge für die Nachrichtentruppen geschaffen. Es wurde auch für Prototypen von Flakpanzern verwendet.

 

Daten:

 

Hersteller:

Tokyo Gasu Denki Kokyo

Mitsubishi

Jukogyo

Kobe Seikosho

gebaute Fahrzeuge:

843

Kampfgewicht: 

3,4 t

Bodendruck:

n.b.

Besatzung:

2 Mann

 Panzerstärke:

6 mm - 12 mm

Länge:

3080 mm

Breite:

1620 mm

Höhe: 

1620 mm

Kettenauflage:

n.b.

Kettenbreite:   

n.b.

Bodenfreiheit:

290 mm

watfähig bis:

600 mm

überschreitet:

1300 mm

klettert: 

500 mm

maximale Steigung:

35°

Motor:

Typ 94 4-Zylinder Benzinmotor

Leistung:

32 PS bei 1800 U/min

Straßengeschwindigkeit:

40 km/h

Reichweite:

200 km

Tankkapazität:

106 L

Getriebe:

4 Vorwärts- 1 Rückwärtsgang

Leistungsgewicht:

9 PS/t

Bewaffnung Turm:

1 X 6,5 mm MG Typ 91,

später 1 X 7,7 mm MG Typ 97 oder 1 X 37 mm Kanone Typ 94

Bewaffnung Bug:

---

Munitionsvorrat:

1980 Schuss

 

 

Panzerung

Turm

Aufbau

Fahrwerk

vorn

Seite

hinten

oben

vorn

Seite

hinten

oben

vorn

Seite

hinten

Stärke (mm)

12

10

10

6

12

10

8

6

12

10

8

Neigung(°)

90

80

80

0

20

90

70

0

18

90

30